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GALERIE ZEUGMA

PRESSEANKÜNDIGUNG

 
Vier luxemburgische Künstler stellen in der Galerie Zeugma aus
 
In der Zeit vom 21. Februar bis zum 26. März 2010 werden vier luxemburgische Künstler ihre Werke in der „Galerie Zeugma“ - Köln ausstellen.

Der Kunstkritiker Herr Dr. Urs Diederichs wird am 21. Februar 2010 um 17.00 Uhr den Einführungsvortrag zur Eröffnung der Ausstellung halten.
 
Unter dem Titel „LuxArtVision“ kommt eine einzigartige Ausstellung aus Luxemburg, an der vier Künstlern sich in der Galerie Zeugma beteiligen werden: Florence Hoffmann, Jhang Meis, Margot Reding-Schroeder, Rol Steimes.
   
     
Ein Kopf, zwei Füße, und Bücher an Stelle des Körpers, der Büchermensch… Was wir lesen baut uns, buchstäblich. Es erbaut uns auch, baut uns auf, und trägt uns hinüber, erlaubt uns auszubrechen, uns zu bilden, zu kultivieren, neue Horizonte zu entdecken und trägt schlussendlich zur Ausarbeitung und Erstellung unserer Persönlichkeit bei. Was macht dass ein Buch, welches zu einem bestimmten Zweck erstanden wurde, seinen Leser nicht mehr interessiert und dieser bereit ist sich von ihm zu trennen, es wegzugeben, sogar wegzuwerfen? Wo doch soviel Energie von Seiten des Autors entfaltet wurde, wo doch oft sehr aufwendiges Recherchieren, Verhandlungen, Gewissheiten und Zweifel sein Entstehen begleitet haben, der Herausgeber verlockt und überzeugt, Einband und Format definiert werden mussten…Sein Zustand vom beachteten Objekt der Begierde mit Referenzstatus wechselt plötzlich in den entgegengesetzten…
 
Wie steht es heute mit dem Lesen? Lesen wir soviel oder weniger als früher? Nehmen wir uns die Zeit zum lesen? Wie viele dieser intimen Stelldicheins mit einem Autor gestatten wir uns noch? Die Bücher, Hauptelemente bei der Erarbeitung und Darstellung dieser Figuren, sind so patiniert dass man weder ihre Titel, noch Autoren und Inhalte erkennen kann. Das in diesen Büchern enthaltene Wissen, ihre “Wissenschaft”, sind auf immer festgemacht und begrenzt, und sie begrenzen, (de)limitieren zeitgleich die Formen der Körper welche sie darstellen. Von nun an wohlbehütete Geheimnisse.
 
Es sind die Bücher, welche hier den Akzent setzen und den Ton der Figuren angeben. Deren Köpfe und Füße spielen nur eine untergeordnete Rolle, was ihren wissentlich rekursiven Gebrauch in den verschiedenen Exemplaren erklärt. Vor dem Müll gerettet, finden diese Bücher etwa eine neue “Daseinsberechtigung” indem sie in eine andere künstlerische Ausdrucksform eingefügt werden? Und darf man erwägen, dass ihre Umformung in das wichtigste konstituierende Element dieser Skulpturen, sie von dem ihnen zugedachten Schicksal eines Endes im Recyclingzenter bewahrt hat? Also” libri liberati”? Denn an ihnen ist ein neues Interesse entstanden, und dieses rührt von ihren spielerischen Strukturformen her, welche erst die verschiedenen volumetrischen Abwandlungen der Figuren ermöglichen. Oder sind diese Bücher in ihren jetztigen Positur eher eingesperrt? Übrigens, wer ist eingesperrt? Die Bücher, die Figuren, oder die Besucher die sie betrachten? Und mit oder in was?
 
Werden die Betrachter wohl an dem Spiel Gefallen finden, trotzdem heraus zu finden um welche Bücher es sich denn handelt, indem sie die auf die Umschlagschnitte aufgedrückten Flachrelieftitel zu entziffern versuchen? Wenn man aufmerksam den Typus des Buchs, das Format, die Dicke, die Art der Deckel, die Farbe der Seiten,
und das Vergilben des Papiers beobachtet, dann muss man feststellen, dass die Bücher dennoch und fast ungewollt einen kleinen Teil ihrer Geheimnisse preisgeben, Geheimnisse denen sie selbst fortan zugehören.
Ob  halbfigurativ, abstrakt, figurativen und/oder konzeptuell, immer handelt es sich bei den Plastiken von Florence Hoffmann um den Menschen,  verschiedene Aspekte seines Benehmens und deren Wechselwirkungen mit  jedem von uns. Die Materialien für ihre Werke, vom Kleinformat bis zum Monumentalen, hängen immer vom Thema ab das sie sich aufgegeben hat, und ihrer Façon dieses zu entwickeln… Deshalb sind diese sehr verschiedenartig: Bronze, Stahl, Stein, Kunstharz, Wachs, Gips, aber auch sehr gewöhnliche Gebrauchsobjekte wie Bücher, Brillen, Schuhe, Reißnägel usw., wenn es sich nicht gerade um sehr ephemere Stoffe handelt wie Schnee, Eis, Sand und sogar Feuer.

Sie selbst, ausgebildet an der früheren Académie Julian in Paris (Met de Peninnghen Kunstschule) hat während den letzten 12 Jahren an 26 verschiedenen Symposien und Wettbewerben verstreut über die Welt teilgenommen. In öffentlichen und privaten Museen in Luxemburg, Canada, Mexiko, Thailand, Frankreich und Japan sind auch verschiedene ihrer Werke dauerausgestellt oder zieren den öffentlichen städtischen oder ländlichen Raum.
     
     

Der 1968 in Düdelingen geborener Künstler Rol Steimes, arbeitet mit Pinseln und Spachteln. Das Material wird in mehreren Schichten aufgetragen und glatt gestrichen, wobei unterschiedlich feine Strukturen sichtbar werden. Und zeigt wie lebendig die Metamorphose von Dunkelheit in Helligkeit sein kann. Rol Steimes, der 42-jährige Autodidakt der meist nur grobe Skizzen anfertigt, hat das Bild, das er malen möchte, genau im Kopf. Wo viel Licht ist, ist halt auch starker Schatten, und dieser Kontrast fasziniert ihn seit jeher. Für Rol Steimes gibt es keine Helligkeit ohne Dunkelheit, und umgekehrt gibt es auch keine Finsternis ohne Lichtpunkt. Allerdings sind die Lichteffekte, die Lichteinfälle und Lichtwiderspiegelungen in den rezenten Arbeiten weitaus dramatischer ausgefallen als in früheren.

Dieser Kohärenz zuliebe arbeitet Rol Steimes meist an mehreren Bildern gleichzeitig. Außerdem ist er ein innerlich eher rastloser und ungeduldiger Mensch, der das Trocknen der einzelnen Farbschichten fast nicht abwarten kann. Als trügen sie ein Geheimnis in sich, das der Betrachter nie erfahren soll. Das Übermalen eigener Bilder kommt indes nicht in Frage. Entweder gefällt das fertige Werk dem Meister oder es landet in einer Ecke des Ateliers. Auch über die Ausdeutung anderer Arbeiten werden der Maler und ich uns nicht eins, aber das müssen wir auch gar nicht. Unter einer von Wolken getrübten Morgendämmerung darf halt jeder sich etwas anderes vorstellen. Hauptsache bleibt, dass das Bild den Betrachter anspricht, sei es durch die komplexe Struktur oder durch die perfekte Komposition der arbschattierungen, sei es dadurch, dass Rol Steimes’ Einladung 
an das Licht, die Gestaltung der dunklen Farbflächen selbst zu vollenden, von diesem Licht angenommen wird.

     
     
Die Künstlerin Margot Reding-Schroeder geboren 1943 in Luxemburg, lebt und arbeitet in Ihren Ateliers in den Luxemburger Ardennen und in Luxemburg-Stadt.  Ihre Anfänge in der Malerei waren autodidaktisch " sie wollte sich nicht beeinflussen lassen, da die Malerei für Sie von Anfang an ein Weg zu sich selbst war, zum Mensch-Sein".
Ihre Liebe zur Malerei und Ihr Bedürfnis zur künstlerischen Weiterentwicklung reflektiert sich somit in Ihren späteren Studiengängen der Malerei (ab 1993 ) mit Schwerpunkt : freie Malerei , Bildkomposition, Akt, experimentelle Zeichnung, die Sie an der Europäischen Kunstakademie,Trier absolvierte , an der Akademie Pro Arte in Prissiano, Italien, sowie in der Ecole des Arts et Métiers, Luxemburg.  
 
Zu Ihren Arbeiten ,die in viel beachteten Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt werden ,und deren freie Akt-Kompositionen Ihre Inspirationsquelle hauptsächlich aus dem experimentellen Tanz und Akt beziehen, sagt die Kunsthistorikerin Petra Bauer folgendes: "Margot Reding-Schroeder ist eine geschulte Uebersetzerin des Gesehenen und Ihrer VISION von dem Gesehenen. Sie präsentiert uns kein unverständliches, sinnloses Geschwätz. Ihre Bilder sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn Sie sich vom Figurativen entfernt: zuweilen ist es eine fast lyrische Sprache , wo mit wenigen Worten alles ausgesagt wird, sprich wo das Wesen- tliche in wenigen Strichen verdichtet ist. Andere Male ist Sie ausführlicher und prosaischer. Immer jedoch ist es eine leidenschaftliche Sprache. Und stets geschieht dies in der Reduktion auf das Wesen-tliche, das sich in einem Zeichen, einer Geste, einer Bewegung widerspiegelt. Einer Bewegung des Körpers, aber auch der Seele. Das Modell tanzt, die Seele tanzt und der Pinsel tanzt mit, und so setzen sich die Schwingungen in Ihren Bildern fort. Es ist Ihr gelungen die Bewegung, ja die Energie selbst in Ihrem Strich einzufangen, was Ihre Bilder so lebendig machen.  »

Ihre Bildersprache, stellt die physische Wirklichkeit nicht in den Vordergrund sondern ist die Interpretation eines Klangbildes des Wesens, des Menschen. Gelebtes Leben, die "condition humaine", die Energie und Verletzungen unserer Körper, unserer Seele, im engen Dialog mit dem Modell, werden in Ihrer Malerei und Zeichnungen in einem dynamischen Prozess zu starken Formen verdichtet, die mit den Spuren überlagerter Fragmente eine Synthese eingehen, wobei die Oberflächen oft schrundig und befühlbar bleiben, an anderen Stellen werden Zeichen zart und transparent gesetzt. In diesem Wechselspiel entsteht in Ihren Bildern dynamisches, vibrierendes Eigenleben.
     
       
Der Künstler Jhang MEIS ist im Jahr 1947 nahe der Thillenbergmine in Differdingen geboren. Jhang Meis ist wohnhaft in Zolver, wo er auch sein Kunstschaffen ausübt. Zwischen 1963 und 1966 erlernte er den Beruf des Maschinenschlossers bei der HADIR. Anschließend trat er in die Dienste der ARBED ein, wo er in verschiedenen Eisenhütten tätig war. 1973 erwarb er den Meisterbrief seines Berufes und übte seit 1976 die Tätigkeit eines Lehrlingsausbilders in der Berufsschule der ARBED in Differdingen aus.

Der Künstler Jhang Meis realisiert abstrakte Werke verschiedener Dimensionen in denen er als Basiselement Stahlprodukte bearbeitet. Seine Inspirationen findet er vorwiegend auf den Schrottplätzen, wo er nach geeignetem Alteisen und Altmetall stöbert. Die gefundenen Elemente formt er dann in stundenlanger Arbeit und mitunter erheblichem körperlichem Einsatz zu Stahlskulpturen um. In manchen seiner Werke wird das Basiselement Stahl mit anderen Grundmaterialen, wie zum Beispiel Stein, kombiniert.
       
         




four artists from luxembourg


     
       

 


im 1946 in Bulgarien geborene Künstler Dimitri Vojnov, studierte an der Akademie der schönen Künste in Sofia, später Dozent für Malerei an der Alma Mater.

Dimitri Vojnov ist ein Realist und ein Meister des Details. Es entstehen sinnlich-mystische Bildwelten, die reale und visionäre Einblicke vermitteln. Er hatte schon immer ein hohes Interesse an den großen Malern der Kunstgeschichte und der Renaissance, wie zum Beispiel Pierro della Francesca oder Hans Holbein und verwendet teilweise als Hintergrund ein intensives Cobaltblau, das eine Referenz zu dieser Epoche darstellt. Unverkennbar ist in seiner Malerei seine lange klassisch akademische Ausbildung, die mit inhaltlich provokanten Darstellungen und Erotik fesseln, die häufig bis ins Groteske übersteigert sind.

In seinen Bildern findet häufig ein Spektakel statt mit zum Teil grotesk verzerrten, karikierenden Bildern, in denen halbseidene oder dekadente Welten entstehen mit einer stark erotischen Grundtendenz. Manchmal haben seine Werke auch eine gesellschaftspolitische Note, wie in dem Werk „Der Raub der Europa“, das symbolisch die politische Uneinigkeit von Europa darstellt. Besonders polarisiert hat Vojnov mit seiner Bilderserie „Paris Bar“, das einem Führer durch das lasterhafte Berlin gleicht, wo er Bilder aus der illustren Gesellschaft künstlerisch verarbeitet hat. Es entsteht eine phantastische Partyszene mit grotesken und skurrilen Anflügen. In seinen Werken sind die Figuren männlich wie weiblich zumeist fast gänzlich nackt, wobei er meisterlich die menschliche Haut bildlich umsetzt. Die Weiblichkeit ist in vielen Posen dargestellt. Skurril sind seine Frauenportraits mit großem Kopfschmuck, wie zum Beispiel Baguettes, ein großer roter Krebs, Haare wie Kirschen oder Kaffeekannen und -Tassen. Die Symbolik in seinen Bildern ist vielfach schwer zu deuten. Der Künstler sagt selbst er male aus der Phantasie und erzähle Geschichten.
 
Die verbundenen Augen einer Dame, Kartenspiele an den Fußzehen, eine voluminöse Braut mit einem Ganter zwischen den Beinen. Meist sind die Augen der Frauen durch einen Turban, Faschen oder Tücher verdeckt - wobei man sich die Frage stellt, wollen sie nichts sehen oder dürfen sie nichts sehen? Vojnov erklärt sehr knapp dazu, daß Frauen ein hohes Maß an Sensitivität hätten und würden auch mit verbundenen Sinnen alles erfühlen und wissen.

Malerei ist für Vojnov ein Spiel, Theater, auch Lüge. Häufig ist in seinen Partyszenen und Gelage ähnlichen gesellschaftlichen Darstellungen ein Kartenspiel angedeutet.
Abschließend beschrieben: Die Werke des Dimitri Vojnov sind skurril, phantasiereich und von intensiver Farbgebung – sie beunruhigen, wühlen emotional auf und fesseln zugleich.


Maika Korfmacher kommt aus der Rau - Keramik her, die ihren Reiz im Unvollkommenen hat und ganz im Sinne des japanischen Zen - Buddhismus die weitgehend vom Zufall bestimmte und nie vollkommene Form zum Ziel künstlerischen Schaffens deklariert. Für ein großes Deckelgefäß mit überdurchschnittlich dicker Wandung, einer rauen, fast unfreundlichen Oberfläche und einem dünnen Blattgoldüberzug des Innenraumes erhielt sie 1989 den Nordrhein-Westfälischen Staatspreis für das Kunsthandwerk im Bereich Keramik. So wie dieses Deckelgefäß vom Gegensatz Innen - Außen beherrscht ist, so zieht sich dieser Gegensatz wie ein Yin und Yang durch das gesamte Werk von Maika Korfmacher.

Vom ursprünglichen Raku, das sie wie kaum eine andere Künstlerin in Deutschland zu Reife und Vollendung gebracht hat, hat sich Maika Korfmacher inzwischen zumindest teilweise gelöst. Neben den gedrehten Dosen, Schalen, Kummen und Stelen finden sich neuerdings zunehmend blockhafte Tonobjekte aus den unterschiedlichsten Tonmassen, die durch “Schlagen”, also durch Heben, Drehen, Fallenlassen entstanden sind. Dabei bestimmen die Fallhöhe, der Drehwinkel sowie die Beschaffenheit der Unterlage ganz wesentlich das Ergebnis: die Tone haben sich homogen miteinander verbunden und bilden eine an den Rändern gestufte rechteckige oder quadratische Fläche, die sich zur Mitte hin zu einer Rundform aufbäumt bzw. konzentriert. Damit findet auch hier wieder der Dialog zwischen Innen und Aussen statt, wenn auch in gänzlich neuer Form. Diese Tonblöcke nun sind nicht mehr im vibrierenden Rakubrand gegart, sondern im neutralen Elektro-Ofen. Sie leben auch nicht mehr von einer noch so reduzierten Zweifarbigkeit, sondern nur noch vom Spiel des Lichtes auf ihren schwarzen Oberflächen. Auf ihnen stehen sich Licht und Schatten im Zwiegespräch gegenüber. Im Gegensatz dazu zeigen die aufgebauten Kästen in ihren stark verkleinerten, das heißt beschränkten Innenräumen wieder Blattgold- oder Blattsilberauflagen. Ein größerer Kontrast zur schrundig schwarzen Oberfläche ist kaum denkbar. Die wenig handfreundlichen Oberflächen der Stelen sind bewusst in rhythmischen Abständen aufgerissen und die so entstandenen “Wunden” wiederum mit feinstem Blattgold ausgelegt worden. Erinnern die großen Deckelgefäße und Schalen, aber auch die Kästen an magische Kultobjekte, so die Stelen an die Darstellung mittelalterlicher Geißelsäulen. Auch hier also ein Gegensatzpaar im Werk von Maika Korfmacher: Der in sich ruhenden klaren Form steht der Schmerz des Aufreißens, desVerletzens gegenüber.

Vor einiger Zeit hat Maika Korfmacher ihre Auffassung von der Keramik wie folgt beschrieben: “Ein Klotz Ton auf der Scheibe, die Bewegung verfolgen, und diese Bewegung und das Massive festhalten. Das Material und die technischen Möglichkeiten verleiten dazu, dekorativ zu werden, wunderschöne Oberflächen zu gestalten. Mich interessiert es, die Form davon abhängig zu machen, was sie für eine Oberfläche hat und umgekehrt. Sobald man Gefäße macht, ist das der springende Punkt.”

Maika Korfmacher macht Gefäße, wenn auch absolut a-funktionelle. Sie begreift ihr Schaffen nicht als das Herstellen von beliebig geplanten Formen, sie verhilft vielmehr ihrem Material, der Erde, seine Form zu finden. Damit steht sie voll in der japanischen Tradition, nach der nicht der Töpfer Form und Charakter einer Keramik bestimmt, sondern der Ton, die Erde, dem Material, aus dem wir alle geformt sind.

Maika Korfmacher verblüfft immer wieder durch die konsequente Reduzierung von Form und Farbe. Ihre Werke - gleichgültig aus welcher Schaffensperiode- laden stets zur Kontemplation ein und wecken im Betrachter Bilder und Assoziationen, deren er sich vorher nicht bewusst war. Ihre “Gefäße” sind nicht dazu bestimmt, irgend etwas aufzunehmen, sie sind bereits gefüllt- mit der Leere. Daraus beziehen sie ihre Existenzberechtigung, sie verweisen uns auf die Grundlage unserer Existenz. Sie sind existenzielle Gefäße.

 
Ali Zülfikar arbeitet mit traditionsreichen anatolischen Wollfarben, die wie vor Jahrtausenden
aus Naturstoffen per Handarbeit hergestellt werden. Hierbei handelt es sich ausschließlich um Textilfarben. Sie tragen etwas von der Landschaft in sich, aus der sie stammen. Weil das so ist, sind sie dem Künstler überaus wertvoll und bilden die materielle Substanz seiner Bilder. In seinem Atelier verarbeitet er sie weiter bis zu dem Zustand, in dem er sie für seine Arbeiten braucht. Ali Zülfikar kennt die Pflanzen, die zur Herstellung der Grundstoffe dieser Farben notwendig sind und er kennt auch die Gegenden, in denen diese Pflanzen wachsen.

Die Technik der Weiterverarbeitung hat er selbst entwickelt. In einem komplizierten Prozess werden die Farben haltbar gemacht und erlangen das eigentümliche Leuchten, das für die Werke des Künstlers so charakteristisch ist. Jene Naturhaftigkeit der Substanzen hat sehr viel mit den thematischen Inhalten von Zülfikars Bildern zu tun. Wir finden bei ihm sowohl archaische Motive als auch orientalische Vorbilder, wie sie als traditionelle Muster bei den Kelims verwendet werden. Diese Sujets sind Erinnerungen an die lebendige Alltagskultur, die der Künstler für die kommenden Generationen aufbewahren möchte.

Prof. F. Günter Zehnder stellte anlässlich der Ausstellung „Die warme Berührung“, 2006, inder African Art Gallery, Köln, fest, dass ein ausbalanciertes Verhältnis von Hintergrund und Fläche zu einer ganz zurückhaltenden Farbund Formensprache besteht. Zülfikars Bilder verbinden durch das gewählte Material spirituelle Inhalte mit den materiellen Erzeugnissen jener immer noch lebendigen, archaischen Volkskultur. In Kombination mit der zurückhaltenden Verarbeitung lassen Zülfikars Farben die in dem Material gespeicherten Informationen frei werden. Dadurch erhalten die Bilder ihre Ausdruckskraft und bezaubern uns durch ihre Wärme.

 
im 1946 in Bulgarien geboren, studierte an der Akademie der schönen Künste in Sofia, später Dozent für Malerei an der Alma Mater.

Dimitri Vojnov ist ein Realist und ein Meister des Details. Es entstehen sinnlich-mystische Bildwelten, die reale und visionäre Einblicke vermitteln. Er hatte schon immer ein hohes Interesse an den großen Malern der Kunstgeschichte und der Renaissance, wie zum Beispiel Pierro della Francesca oder Hans Holbein und verwendet teilweise als Hintergrund ein intensives Cobaltblau, das eine Referenz zu dieser Epoche darstellt. Unverkennbar ist in seiner Malerei seine lange klassisch akademische Ausbildung, die mit inhaltlich provokanten Darstellungen und Erotik fesseln, die häufig bis ins Groteske übersteigert sind.

In seinen Bildern findet häufig ein Spektakel statt mit zum Teil grotesk verzerrten, karikierenden Bildern, in denen halbseidene oder dekadente Welten entstehen mit einer stark erotischen Grundtendenz. Manchmal haben seine Werke auch eine gesellschaftspolitische Note, wie in dem Werk „Der Raub der Europa“, das symbolisch die politische Uneinigkeit von Europa darstellt. Besonders polarisiert hat Vojnov mit seiner Bilderserie „Paris Bar“, das einem Führer durch das lasterhafte Berlin gleicht, wo er Bilder aus der illustren Gesellschaft künstlerisch verarbeitet hat. Es entsteht eine phantastische Partyszene mit grotesken und skurrilen Anflügen. In seinen Werken sind die Figuren männlich wie weiblich zumeist fast gänzlich nackt, wobei er meisterlich die menschliche Haut bildlich umsetzt. Die Weiblichkeit ist in vielen Posen dargestellt. Skurril sind seine Frauenportraits mit großem Kopfschmuck, wie zum Beispiel Baguettes, ein großer roter Krebs, Haare wie Kirschen oder Kaffeekannen und -Tassen. Die Symbolik in seinen Bildern ist vielfach schwer zu deuten. Der Künstler sagt selbst er male aus der Phantasie und erzähle Geschichten.



     
       


   

wir laden sie und ihre  freunde
herzlich zur eröffnung
der ausstellung “andersartig” ein. 

ausstellung von
ali zülfikar
dimitri vojnov
maika korfmacher

vernissage
am sonntag,
29. november 2009
um 17.00 uhr

eröffnungsrede
dr. urs diederichs
kunsthistoriker

musikalische begleitung:
azim shabal nawabi

ausstellungsdauer
von 29. november 2009
bis zum 14. januar 2010
  
galerie zeugma
am malzbüchel 6-8
50667 cologne, germany
tel.: +49 221 377 7596
mobil.: +49 157 721 68 222
www.galeriezeugma.com
di.-sa.: 12.00 - 19.00 uhr
   
   
     
Andreas Steffens
Am Wildbach der Kunst
Rede zur Eröffnung der Ausstellung „nacktartig“: Malerei, Skulptur, Objekte
Galerie Zeugma, Köln, 24.05.2009
 
Die Künste mögen sich erklären lassen; die Werke verweigern sich ihrer Erklärung. So sehr sie auch ‚gemacht’ sind, aus einem nachvollziehbaren Prozeß der Herstellung hervorgingen, was sie am Ende ausmacht, geht in diesem Herstellungsprozeß nicht auf: es ist genau dieser Überschuß, was die Kunst ausmacht. Dieser Überschuß, der ganz das unentschlüsselbare Eigentum des Künstlers bleibt. Gerade darin liegt der Reiz für den Betrachter. Die Werke zu bereden, muß ihren Reiz immer stören.
   
   

Da Ali Zülfikar uns mit ausführlichen Informationen über Leben und Werk der beiden Künstler, der Malerin Eugenia Barakina und des Bildhauers Odo Rumpf, bereits versorgt hat, möchte ich vom üblichen Ritual etwas abweichen, und vor allem zum Thema, zum Titel der Ausstellung einige Gedankenhinweise geben. Es sind die Bezüge, die Relationen, in denen die Künste und die Werke stehen, und die, die sie stiften, die sie bedeutsam werden lassen.

Nackt’ also -:
Die Nacktheit ist der Zustand der Geburt, des Lebensbeginns, aber nicht des Lebens, das geführt wird. Zu den unabweisbaren sozialen Pflichten des erwachsen gewordenen Menschen gehört die, seinen Körper zu bedecken. Nacktheit ist eine Sache der persönlichen Intimität.

So selbstverständlich dieses Gebot befolgt wird, so stark ist eine – buchstäblich eingeborene – Neigung, gelegentlich in den Geburtszustand des Körpers auch außerhalb der Badezimmer und Umkleidekabinen zurückzukehren, eine Neigung, die mit dem erotischen Impuls nicht gleichzusetzen ist.
Ich bin zu dem Wildbach zurückgekehrt, an dem ich in diesem Winter war, und wie es in den heißen Stunden so geht, - es fiel mir ein, mich nackt auszuziehen. Nur die Bäume und die Vögel sahen mich. Der Wildbach ist in eine Schlucht im Land eingesenkt. Hat man einen Körper, so soll man ihn dem Himmel aussetzen. Auch die Wurzeln, die aus der Felswand ragen, sind nackt.
   
   
Was wie ein Erlebnisbericht aus einem Nudistenclub klingt, ist der Beginn einer Erzählung des italienischen Schriftstellers Cesare Pavese: >Nacktheit<. Sich an den darauf folgenden Tagen immer wieder in diesen Zustand versetzend, macht der Ich-Erzähler eine der wesentlichen Erfahrungen, die die Nacktheit vermittelt: daß ich mich in nichts unterscheide von einem Stein, einem Baumstamm, einer gesprenkelten Natter – abgesehen von der Verwirrung, die ich mir zu erklären versuche.
 
In unserer Vorstellung reimt Nacktheit sich so sehr auf Natur, dass die in einer natürlichen Umgebung gemachte Erfahrung der eigenen Nacktheit in den Naturzustand des Menschen zurückzuversetzen scheint. Aber es scheint nur so. Denn der Naturzustand des Menschen ist kein natürlicher Zustand. Im christlichen Mythos hat die Erzählung von den Folgen des Sündenfalls das genau bezeichnet: wenn wir nackt sind, sind wir in dem Zustand, der uns darüber belehrt, was wir nun wirklic